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Amazonas-Synode

Marx fordert Ende von fossiler Energie

dpa/Gaston BritoDie oftmals gelegten Brände im Amazonasgebiet rufen im Sommer weltweite Proteste hervor. In San Pablo, in Bolivien, macht ein erschöpfter Feuerwehrmann eine Pause.

ROM. Kritik an den Industrieländern übte Kardinal Reinhard Marx auf der Amazonas-Synode in Rom. Die ökologischen und sozialen Folgekosten ihres Wirtschaftens dürften sie nicht andere tragen lassen, sagte er während der Amazonas-Synode in Rom. Sie steht unter dem Titel »Amazonien – Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie«.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat bei der Amazonas-Synode in Rom die Mitverantwortung der Industrieländer für die Zerstörung des tropischen Regenwalds betont. »Wenn weiterhin Waldflächen gerodet werden – wofür die Industrieländer angesichts der globalen Handelsverflechtungen eine Mitverantwortung tragen – droht der Tropenwald komplett auszutrocknen, mit unkalkulierbaren Folgen für das Weltklima«, sagte er vor der Synode. Klima sei ein »globales Kollektivgut«, das geschützt und für die nachfolgenden Generationen bewahrt werden müsse.

Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle

Um den Klimawandel aufzuhalten, sei ein rascher Ausstieg aus fossilen Energieträgern nötig, betonte Marx, der als Mitglied des Kardinalsrats an der Bischofssynode teilnahm. Die nach ihrer ursprünglichen Mitgliederzahl auch K9 genannte Gruppe arbeitet an einer Reform der vatikanischen Kurie.

Produktion und Konsum nachhaltiger machen

Industrieländer müssten verhindern, dass »die ökologischen und sozialen Folgekosten wirtschaftlichen Handelns auf unbeteiligte Dritte abgewälzt werden«, sagte Marx unter Anspielung auf die Verantwortung von Industrienationen in seiner Ansprache an die rund 280 Teilnehmer. Diese seien angesichts ihres Ausstoßes von Treibhausgasen beim Thema Klimaschutz besonders gefordert. Marx rief sie auf, nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zu entwickeln. Überdies stünden sie in der Pflicht, Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

Papst hofft auf Reformen

Papst Franziskus hatte bei einer feierlichen Messe zur Eröffnung der Amazonas-Synode im Vatikan zu mutigen Reformen aufgerufen. Das katholische Kirchenoberhaupt äußerte im Petersdom die Hoffnung auf »wagemutige Besonnenheit«, um das Leben der Kirche im Amazonas-Gebiet zu verändern.

Glaube den Ureinwohnern aufgezwungen

Im Zusammenhang mit der Abholzung und Brandrodung des Regenwalds heute sowie der Kolonialisierung in der Vergangenheit wies der Papst auf das Leiden der indigenen Bevölkerung in der Region hin. Er prangerte Wirtschaftsinteressen an, die jüngst mit ausgedehnten Waldbränden zur Zerstörung breiter Landstriche im Amazonas-Gebiet geführt hätten. Zugleich beklagte Franziskus, dass der christliche Glaube den Ureinwohnern ehemals oft »nicht angeboten, sondern aufgezwungen« worden sei. Dabei habe es häufig »Kolonisierung statt Evangelisierung« gegeben. Auch heute bedrohe die Gier moderner Kolonialherren das Leben der Indigenen.

Synode hat beratenden Charakter

Bei der dreiwöchigen Bischofssynode unter dem Leitwort »Amazonien – Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie« geht es vorrangig um Umweltschutz, Indigene und Priestermangel. Bischofssynoden im Vatikan haben allerdings rein beratenden Charakter. Auf der Grundlage des Abschlussdokuments wird Papst Franziskus ein nachsynodales Schreiben verfassen, in das er nach eigenem Ermessen Anregungen der Versammlung aufnehmen kann. Die Synode endet an diesem Sonntag.epd

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