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Christlicher Sexshop

Mehr als Dildos

Foto: Martina Blatt, Christliches Medienmagazin proDer erste christliche Sexshop arbeitet nur online, ein Ladengeschäft git es nicht.

Penisringe, Liebeskugeln oder Bodypainting-Farbe mit Geschmack – in dem Online-Erotikshop »Schöner lieben« gibt es alles, was das Liebesleben spannender machen soll. Das Besondere: Er ist Deutschlands erster Sexshop mit christlichen Werten.

Auf den ersten Klick sieht alles aus wie in einem herkömmlicher Online-Sexshop. Unter dem Link »schoenerlieben.de« finden sich allerhand Sexspielzeuge sowie Drogerieartikel und Literaturtipps rund um das Thema Erotik. Die Seite ist in roter und weißer Farbe gestaltet. Es gibt nur wenige Bilder. Darauf ist keine nackte Haut zu sehen. Das ist für einen Sexshop dann doch eher ungewöhnlich.

Dahinter steckt ein neues und nach Angaben der Macher einmaliges Konzept: »Schöner lieben« ist der erste christliche Erotikshop in Deutschland. Ähnliche Konzepte gibt es in den Niederlanden und den USA. Davon haben sich vier junge Männer inspirieren lassen. Die Idee kam den Bielefeldern vor einigen Jahren. Bei einer Diskussion um mögliche Geschäftsideen stand der Vorschlag plötzlich im Raum, erinnern sich die Männer im Gespräch mit der Evangelischen Sonntags-Zeitung. Alle sind um die 30 Jahre alt. Zwei sind verheiratet, einer hat eine Freundin, der viertee ist Single.

Start am Reformationstag 2017

Startschuss für die Website war der Reformationstag 2017. Endgültig fertig ist sie immer noch nicht. Regelmäßig feilt das Team an den Formulierungen der Philosophie. Die ist nämlich das A und O der Geschäftsidee, erklären die Gründer. »Der sinnliche Shop mit christlichen Werten«, heißt es auf der Website. »Keine Nacktheit, keine Pornografie«, erklärt Mitgründer Timon Rahn das Motto. Interessierte sollen sich in Ruhe auf der Seite umsehen, ohne ständig von nackten Damen abgelenkt zu sein.

Die Gründer können nicht von dem Shop leben

Treue ist den Gründern ein wichtiger Aspekt. Sie möchten den Kunden keine Richtlinien für Sexualität geben. Stattdessen möchten sie Paaren Angebote machen, »mal über den Tellerrand hinauszuschauen«, wie sie es auf der Homepage formulieren. Der Onlinehandel bietet viele verschiedene Massageöle -und Kerzen. »Unser Sexshop bietet viel mehr als Dildos«, betonen die Gründer. Auch bei der Auswahl der Produkte achten die Männer darauf, dass die Packungen der Hersteller keine nackten Personen oder sonstige obszönen Szenen zeigen.

Das Angebot richtet sich an junge Pärchen, Ehepaare, Singles, Christen und Nicht-Christen. Etwa 100 Leute pro Tag besuchen die Seite, sagen die Gründer. Von dem Shop leben können sie noch nicht. Das Geschäft unterhalten die Jungunternehmer neben ihren eigentlichen Berufen. Drei der Männer betreiben eine Grafikagentur, einer studiert.

In der Gemeinde gab es Ärger

Religion und Sex – das erhitzt die Gemüter. So berichtete kürzlich der Radiosender »Hit Radio FFH« in der Sendung »Kreuz Quer« über den Shop. Das Thema ging viral. »Das ist ein Widerspruch in sich«, meinen einige laut einer Umfrage. Andere finden sogar: »Das ist nichts, was Gott akzeptiert oder gut findet.«

Während Freunde und Familie durchweg positiv auf das Geschäftsmodell reagierten, habe es zumindest in der früheren Gemeinde von Gerhard Peters Diskussionen gegeben. Heute ist keiner der Gründer mehr in einer Gemeinde aktiv. So richtig gut kam die Idee hier nirgendwo an. Dabei soll das Konzept des Shops weit über den Verkauf hinausgehen, betont das Gründer-Team. Sie wünschen sich eine breite öffentliche Diskussion zu Sexualität – auch in christlichen Kreisen. In Gemeinden sei das Thema überwiegend Neuland, erklärt Rahn und ergänzt: »Wir wollen das Thema aus der Schmuddelecke ziehen.«

Werbung auf Facebook nicht möglich

Auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram ist der Sexshop mit der christlichen Note zu finden. Als Werbeplattform lassen sich die Seiten aber nur bedingt nutzen, erklärt das Team. Facebook und Co. verbieten die Vermarktung erotischer Inhalte und Produkte.

Deswegen ist das Start-up-Unternehmen auf Veranstaltungen wie Festivals und Messen angewiesen. Besonders erfolgreich sei der Auftritt bei dem christlichen Musikfestival »Freakstock« im vergangenen Jahr gewesen, berichten die jungen Gründer stolz. Dort hatten sie einen Stand aufgebaut. Viele Menschen seien stehen geblieben, gute Gespräche entstanden. Spätestens da war klar: »Der Bedarf ist riesig«, erzählen Rahn und seine Kollegen.

Der Kirchentag erteilt zunächst eine Absage

Darauf wollte das Gespann aufbauen. Die Männer schickten eine Bewerbung zum Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund. Das Team wünscht sich einen Stand auf der sogenannten »Messe im Markt«. Dort sind größere Gruppen, kommerzielle Initiativen wie etwa Werke und Dienstleister im kirchlichen Bereich vertreten. Ihr Profil sollte es ihnen erlauben, sich mit dem Leitwort und Geist des Kirchentages zu identifizieren. So heißt es auf der Internetseite des 37. Kirchentages.

Erst haben die Gründer eine Absage erhalten. »Wir sind super enttäuscht«, sagen die Männer. Nachdem beim Bewerbungsschreiben für die Kirchentags-Organisatoren noch Fragen offen geblieben waren, hatten sie ein Konzeptpapier erarbeitet und das Gespräch mit dem Team am Telefon gesucht. Von den Organisatoren hieß es dann, die Projektleitung prüfe den Vorgang noch einmal. Bis vor kurzem sei noch offen gewesen, wo der »Schöner lieben«-Stand platziert werden soll, erklärte der Pressesprecher des Kirchentags, Stephan von Kolson, auf Anfrage der Evangelischen Sonntags-Zeitung. Schließlich aber gab der Kirchentag doch grünes Licht für »Schöner lieben«.

Carina Dobra

www.schoenerlieben.de

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