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Reformationsgottesdienst

Menschenrechte und Klimaschutz

EKHNDie stellvertretende Kirchenpräsidentin der hessen-nassauischen Kirche, Ulrike Scherf (von links), Klimaforscher Wolfgang Lucht und Kirchenpräsident Volker Jung mit seiner Ehefrau Claudia beim Reformationsgottesdienst in der Lutherkirche in Wiesbaden.

WIESBADEN. Bei der Reformationsfeier der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wurde die Erinnerung an die Vergangenheit verbunden mit dem Ausblick in die Zukunft: Christen sollen sich gegen die Erhitzung des Klimas engagieren.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat am Reformationstag zu gesellschaftlichem Engagement aufgerufen. Der jüdische und christliche Glaube an Gott führe zur Zuwendung zu Anderen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion, sagte Kirchenpräsident Volker Jung in der Wiesbadener Lutherkirche. »Wer sich von Gottes Wahrheit und seiner Liebe leiten lässt, kann nicht anders, als Hassreden zu widersprechen, die sich gegen Juden, Muslime, Christen oder wen auch immer richten«, sagte er.

Zukunft kann uns nicht egal sein

Zur Gabe des Lebens gehöre auch die Aufgabe der Bewahrung der Welt, sagte der Kirchenpräsident. »Deshalb kann und darf es uns nicht egal sein, ob wir mit der Art, wie wir leben, den nächsten Generationen die Lebensgrundlagen entziehen.« Jung ging mit seinen Schlussfolgerungen vom jüdischen Bekenntnis zur Liebe zu Gott aus (5. Mose 6,4–9). Der christliche Glaube wurzele im jüdischen, unterstrich Jung. »Wir sind mit unseren jüdischen Geschwistern in unserem Glauben verbunden. Antisemitismus ist in unseren Augen Gotteslästerung«, sagte er.

Die Welt bebauen und bewahren

Auch für den Reformator Martin Luther, dessen antijüdische Schriften die evangelische Kirche verurteilt habe, sei die Liebe zu Gott und die Gottesliebe zentral gewesen, erinnerte der Kirchenpräsident. Gott lasse nach der Bibel in seinen Geboten erkennen, was zum guten Leben helfe. »Wer sich von der Liebe Gottes ergreifen lässt, sieht den Nächsten mit anderen Augen – und die Welt.« Zur Gabe des Lebens gehöre die Welt, die die Menschen nach dem biblischen Schöpfungsbericht »bebauen und bewahren« müssten.

Nicht länger schlafwandeln

Der Klimaforscher Wolfgang Lucht, Mitarbeiter des UN-Weltklimarats und Mitbegründer der »Scientists for Future«, rief in seiner Festrede zum Handeln gegen die Klimaerhitzung auf. »Wir müssen aufwachen, nicht länger schlafwandeln«, forderte der Geograf und Physiker vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Kohlendioxid-Emissionen stiegen derzeit immer weiter, statt gesenkt zu werden. In der Folge veränderten sich Meeresströmungen, so nehme der Wärmetransport des Golfstroms nach Westeuropa ab.

»Wir brauchen eine Transformation«

Lucht mahnte, dass es »Kipppunkte« gebe, ab denen Entwicklungen unumkehrbar seien. Ein Abschmelzen des Grönlandeises etwa würde den Meeresspiegel weltweit um sieben Meter steigen lassen. Der Klimaforscher erinnerte an den Reformator Martin Luther, der Missstände nicht hinnahm, sondern zu ändern begann. Christen und Juden glaubten, dass nach dem biblischen Zeugnis Gott einen Bund mit den Menschen geschlossen und bekräftigt habe. So könnten die Menschen ihre Verantwortung hoffnungsvoll wahrnehmen. »Eine Reformation reicht nicht mehr, wir brauchen eine Transformation!«, forderte Lucht.

Reformationstag wird im Geist der Ökumene gefeiert

Protestanten in aller Welt feierten am 31. Oktober den Reformationstag. Die vom damaligen Augustinermönch Martin Luther (1483–1546) um den 31. Oktober 1517 von Wittenberg aus verbreiteten 95 Thesen gegen kirchliche Missstände wurden zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung. Luther wollte die Kirche zum geistigen Ursprung der Botschaft des Evangeliums zurückführen. Die von Luther geforderten Reformen führten nicht nur zur Gründung der evangelischen Kirchen, auch die römisch-katholische Kirche hat sich seitdem grundlegend reformiert. Während der Gedenktag früher zur Abgrenzung der Protestanten gegenüber katholischen Christen genutzt wurde, wird er inzwischen im Geist der Ökumene gefeiert.epd

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