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»Audiomat«

Orgelautomat funktioniert wie Jukebox

epd/Charlotte MorgenthalDer braunschweigische Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker präsentiert in der Katharinenkirche in Braunschweig den sogenannten Orgel-Audiomaten.

BRAUNSCHWEIG. Schon ab 50 Cent geht’s los: Damit können Besucher die rund 3900 Orgelpfeifen zum Klingen bringen und dabei wie bei einer Jukebox Musiktitel auswählen. Der sogenannte Orgel-Audiomat in Braunschweig gilt als europaweit einzigartige Erfindung.

Klimpernd fällt die Münze in den Kasten neben der Orgel. Besucher der Katharinenkirche in Braunschweig finden dort eine europaweit wohl einmalige Erfindung: Wie bei einer Jukebox können sie per Knopfdruck zwischen elf Musiktiteln auswählen.

Niemand sitzt auf der Orgelbank

Mit einem dumpfen Klack setzt sich zunächst der Motor des Instruments in Gang, das Gebläse rauscht. »Die Orgel muss sich erst aufwärmen, wie eine Espresso-Maschine«, sagt Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker schmunzelnd. Als dann Bachs Toccata in d-Moll durch die Orgelpfeifen in den Kirchenraum schallt, sitzt kein Musiker auf der Orgelbank. Die Register schieben sich wie von Geisterhand heraus. Seit etwa einem Jahr gibt es den »Orgel-Audiomaten« in Braunschweig. Während bundesweit schon in mehreren hundert Kirchen selbstspielende Orgeln eingerichtet wurden, ist das Spiel für Besucher auf Knopfdruck außerhalb der Gottesdienstzeiten laut Hecker eine Neuheit.

Die Länge des Stücks bestimmt den Preis

»Inzwischen kommen auch viele Gäste von außerhalb nur wegen des Audiomats hier in die Kirche«, sagt der 64-jährige Musiker. Er hat die Stücke, darunter Titel von Dieterich Buxtehude (1637–1707) oder Max Reger (1873–1916), zuvor eingespielt und abgespeichert. Je nach Länge kostet ein Stück zwischen 50 Cent und zwei Euro. Die Beträge gehen Hecker zufolge an die Kirchengemeinde und decken auch die Kosten für die Orgelwartung.

Platz wäre für 60 Tage Orgelmusik rund um die Uhr

Ein kleiner unscheinbarer Kasten sorgt zunächst dafür, dass die eingespielte Musik gespeichert wird. Dann werden Impulse zu Schnittstellen an den Pfeifenventilen weitergegeben, erläutert Hecker. »Platz wäre für 24-stündiges Orgelspiel an 60 Tagen.«

Stiftung unterstützt den Kauf

 Entwickelt wurde das System per Münzeinwurf von der Hamburger Firma »Rudolf von Beckerath«, die bereits 1980 die Orgel für die Braunschweiger Kirche gebaut hat. Die örtliche »Hans und Helga Eckensberger-Stiftung« hat die neue Anschaffung für insgesamt 40.000 Euro unterstützt.

Orgelbegleitung per Fernbedienung

Zunächst hat Hecker das Abspielgerät mit seinen Orgelschülern getestet. Erstmals konnten sie damit ihr eigenes Spiel abspeichern und im Kirchenraum erleben und davon lernen. Der Landeskirchenmusikdirektor nutzt die Technik aber auch, um vorne in der Kirche einen Chor zu dirigieren und die Orgelbegleitung dazu per Fernbedienung zu starten.

Dem Automaten fehlt die Spontanität

Allerdings könne ein solches Gerät den Kirchenmusiker keineswegs ersetzen, betont Hecker. Auch wenn in vielen Gemeinden derzeit händeringend Organisten gesucht würden: In den Gottesdiensten könne die vorab eingespielte Musik nicht mit Tempo und Lautstärke auf den Gesang der Gemeinde eingehen. Zudem eigneten sich nur neuere Instrumente mit entsprechenden technischen Voraussetzungen für den Einbau.

Maschine soll Besucher anlocken

Aber vielleicht könne der Audiomat dennoch den Nachwuchssorgen der Berufsgruppe entgegenwirken, hofft Hecker. Durch das Orgelspiel würden schließlich auch Besucher außerhalb der Gottesdienst-Zeiten angelockt und möglicherweise für die Königin der Instrumente begeistert.
Charlotte Morgenthal/epd

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