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Streitbare Theologin

Pröpstin Helga Trösken ist tot

Medienhaus/Nicole KohlheppHelga Trösken trat ein für die Rechte von Frauen.

FRANKFURT/DARMSTADT. Sie habe mit ihrem Eintreten für die Rechte von Frauen Maßstäbe gesetzt, würdigte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, Helga Trösken. Die Theologin war bekannt für klare Wort. Im Alter von 77 Jahren ist sie verstorben.

Vor 32 Jahren war Helga Tröskens Wahl eine Sensation gewesen: Niemals zuvor war in Deutschland eine Frau mit einem kirchlichen Bischofsamt betraut worden. Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hatte Trösken am 30. November 1987 zur Pröpstin von Frankfurt und damit in die geistliche Leitung einer Region der EKHN gewählt. Als Pröpstin war sie Mitglied des – später in der Kirchenleitung aufgegangenen – kollektiven Bischofsgremiums »Leitendes Geistliches Amt«. Am Sonntag ist Trösken, die ihren Ruhestand im südhessischen Langen verbrachte, in Frankfurt am Main gestorben.

»Prägende Gestalt« der evangelischen Kirche

Kirchenpräsident Volker Jung bezeichnete Helga Trösken als eine »prägende Gestalt der evangelischen Kirche«. Er würdigte sie als eine »wegweisende evangelische Persönlichkeit, die mit ihrem Einstehen für die Rechte von Frauen und ihrem gesellschaftspolitischen Engagement in der Kirche Maßstäbe gesetzt hat«. Als herausragend nannte Jung das sozialdiakonische Engagement Tröskens, das während ihrer Amtszeit als Pröpstin nicht unwidersprochen geblieben sei.

»Gott ist auch für die Gottlosen da«

Tröskens Einsatz für »die Frauen und Männer an den Rändern der Gesellschaft fußte auf einem klaren Verständnis der Botschaft Christi, sich für Menschen in Not einzusetzen«, erklärte Jung. So habe Trösken immer betont, dass »Gott auch für die Gottlosen« da sei. »Helga Trösken stand ganz in der Tradition der hessen-nassauischen Kirche, die ihr erster Kirchenpräsident Martin Niemöller geprägt hatte«, würdigte Jung die Theologin. »Beide waren öffentlich streitbare und in ihrem Glauben für Frieden und Gerechtigkeit engagierte Menschen.«

Pröpstin wollte vermitteln

Trösken bekleidete das Amt der Pröpstin drei Wahlperioden lang bis 2006 und war dann bis zu ihrem Ruhestand noch gut ein Jahr lang Gemeindepfarrerin. »Wer Helga Trösken zum Gegner hat, dem gnade Gott ...« schrieb die »Frankfurter Rundschau« einmal über die streitbare Theologin. Die sah ihre Aufgabe aber immer, wie die Zeitung hinzufügte, »nicht im Streiten, sondern im Vermitteln«. Dennoch wurden ihr in der Presse »mangelnde integrative Fähigkeiten« vorgeworfen. Trösken gestand einmal ein: »Ich habe Menschen verletzt, ohne es zu wollen«, und »es gibt Pfarrer, die Angst vor mir haben«.

Evangelische Kirche soll etwas zu sagen haben

Dies trug vermutlich dazu bei, dass die Pröpstin bei ihrer Wiederwahl 1993 und 1999 jeweils rund ein Drittel Gegenstimmen kassierte. Als ihre Frankfurter Propstei im Jahr 2000 mit Nord-Starkenburg zur Propstei Rhein-Main verschmolzen wurde, tingelte sie durch die neuen Gemeinden, ging auf Menschen zu, hörte zu. Denn dies vor allem sei ihr wichtig: den Menschen zuzuhören, sie zu ermutigen zu einem »christlichen Leben in der fröhlichen Freiheit der Kinder Gottes«. Ihre Vorstellung ist, dass »die evangelische Kirche etwas zu sagen hat in der Gesellschaft«.

Mit Frankfurt verbunden

Helga Trösken wurde am 7. April 1942 in Frankfurt in eine Familie von Ärzten und Naturwissenschaftlern geboren; sie wuchs im Frankfurter Stadtteil Fechenheim auf. Theologie studierte sie in Frankfurt, Berlin, Heidelberg und Mainz. Auf das Vikariat in Dillenburg folgten Studien und ein Praktikum in Bossey bei Genf und in London, ehe sie 1970 als Pfarrerin nach Langen südlich von Frankfurt ging. Von 1977 bis 1986 war sie Vorsitzende des Pfarrerausschusses der EKHN, von 1994 bis 2006 gehörte sie der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland an. Zuletzt lebte Trösken in einer Alten-Wohngemeinschaft in Langen, wo sie bis 1988 Gemeindepfarrerin gewesen war.
 Wolfgang Weissgerber
Sonderseite zu Helga Trösken im Internet: u.epd.de/1b4d

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