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Weihnachtsmärkte boomen

Sehnsucht nach Düften und Klängen

dpa/Boris RösslerBlick von der Alten Nikolaikirche auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt auf dem Römer. Die Stadt erwartet bis zum 22. Dezember mehrere Millionen Besucher.

BONN. Wenn die City zur Christmas-Meile wird – die Zahl der Weihnachtsmärkte schnellt in die Höhe: In den vergangenen fünf Jahren sind rund 500 neue Märkte entstanden, die Besucherzahl hat sich seit 2000 verdreifacht. Ein Kulturwissenschaftler sieht eine Entwicklung zum Volksfest.

Wer in diesem Jahr den Bonner Weihnachtsmarkt besucht, kann dem Himmel ein ganzes Stück näher kommen. 72 Meter befördert dort der »Skyliner« die Besucher in die Höhe. Die laut Betreiber weltweit höchste mobile Aussichtsplattform ist die neue Attraktion auf dem Markt, der sich im Laufe der Jahre fast über die gesamte Innenstadt ausgebreitet hat. So wie in Bonn entwickelten sich viele Weihnachtsmärkte immer stärker zu Volksfesten, beobachtet der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg. Jedes Jahr böten die Märkte neue Superlative: »Das Publikum erwartet Steigerungsformen.«

Großes Geschäft

Auch die Zahl der Weihnachtsmärkte, die der Deutsche Schaustellerbund (DSB) aktuell auf rund 3000 schätzt, bricht einen Rekord nach dem anderen. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien in Deutschland rund 500 neue Märkte entstanden, sagt DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg. Die Nachfrage scheint vorhanden. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Besucher auf rund 150 Millionen verdreifacht. Sie bescheren den Händlern laut DSB einen Umsatz im »einstelligen Milliardenbereich«.

Reiseveranstalter bieten Fahrten zu den Märkten an

Ein Grund für die wachsenden Besucherströme sei das verstärkte Marketing, sagt Hakelberg. »Die Städte fördern die Märkte mehr und viele haben sie in ihr Tourismus-Konzept aufgenommen.« Reiseveranstalter böten immer mehr Fahrten zu beliebten Weihnachtsmärkten in Städten wie Nürnberg, München, Freiburg, Lübeck oder auch Bonn. Hinzu komme, dass deutsche Weihnachtsmärkte im Ausland immer populärer würden. »Vor allem in Asien und ganz besonders in China steigt die Beliebtheit von Nordeuropa-Reisen im Winter«, stellt Hirschfelder fest.

Sehnsucht nach sinnlichem Erlebnis

Die Attraktivität der Weihnachtsmärkte erklärt sich Hakelberg damit, dass die Menschen in einer digitalen Welt wieder verstärkt Sehnsucht nach einem sinnlichen Erlebnis hätten. »Auf dem Weihnachtsmarkt werden die Menschen in eine eigene Welt mit Düften, Klängen und einer besonderen Deko entführt.«

Lebensmittel für das Fest

Mit dem Rummel hatten die Vorläufer der heutigen Weihnachtsmärkte allerdings wenig gemeinsam. Die Märkte entstanden in größerer Zahl im 16. Jahrhundert in der Nähe von Kirchen, wo Händler Lebensmittel für das Fest verkauften. In Dresden allerdings begann die Tradition bereits 1434, als einen Tag vor dem Heiligen Abend ein freier Fleischmarkt genehmigt wurde.

Immer weniger mit Weihnachten zu tun

Ab den 60er Jahren begannen die Weihnachtsmärkte in Westdeutschland im Zuge des Wirtschaftswunders dann, Orte des Konsums zu werden, wie Hirschfelder beschreibt. Mit Weihnachten hätten die Märkte allerdings immer weniger zu tun, so der Kulturwissenschaftler.

Kein Interesse an christlichen Inhalten

Zwar habe das kommerzielle Interesse bei den Weihnachtsmärkten immer schon im Vordergrund gestanden. Dennoch seien sie ursprünglich christlich geprägt gewesen. »Inzwischen besteht kein ernsthaftes Ansinnen mehr, ein christliches Interesse zu integrieren.« Der Kulturwissenschaftler beobachtet außerdem eine zunehmende »Karnevalisierung«, etwa wenn Besuchergruppen mit roten Weihnachtsmannmützen über die Märkte ziehen.

Gemeinden versuchen gegenzusteuern

Mancherorts bemühen sich christliche Gemeinden, ein Gegengewicht zu setzen. In Bonn etwa taten sich katholische und evangelische Kirche schon vor 15 Jahren zusammen und richteten auf dem Weihnachtsmarkt eine »Kirchenmeile« ein. In Hütten direkt an den Mauern des Bonner Münsters verkauften sie fair gehandelte Waren, schenkten Tee aus und boten Gespräche an.
Claudia Rometsch/epd

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