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Israel

»SodaStream« stellt Juden und Muslime ein

Carina Dobra

TEL AVIV. Seit mehr als 70 Jahren herrscht Krieg im Nahen Osten. Das israelische Wassersprudlerunternehmen »SodaStream« beschäftigt in seiner Fabrik in der Nähe von Tel Aviv Israelis und Palästinenser. Das Friedensprojekt soll ein Vorbild für die Politik sein.

Carina DobraDer gebürtige Amerikaner Daniel Birnbaum (unten) ist seit 2007 Geschäftsführer des Unternehmens.

Im Akkord schiebt Chaim die Wassersprudler auf das Fließband. Die Maschine überprüft die Qualität der Geräte, erklärt der 33-Jährige. Der Mann aus Beer Sheva ist Jude, trägt eine Kippa. Er arbeitet beim israelischen Sprudelgerätehersteller »SodaStream« mit deutschem Sitz in Frankfurt am Main. Ihm gegenüber sitzen dunkelhäutige Frauen mit Kopftuch. Die meisten von ihnen sind muslimische Beduinen.

Pepsi hat die Firma übernommen

»Insel des Friedens« nennt Daniel Birnbaum sein 86.000 Quadratmeter großes Imperium mitten in der Negev-Wüste, etwa 20 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt. Der »SodaStream«-Chef kommt gebürtig aus New York. Als Siebenjähriger zog er mit seiner Familie nach Israel. Seit 2007 arbeitet er an der Spitze des Börsenunternehmens. Kürzlich hat der US-amerikanischer Getränkehersteller Pepsi die Firma für 3,2 Milliarden Dollar übernommen.

Palästinenser verdienten das Vierfache das üblichen Mindestlohnes

stDamals stand eine der Fabriken noch im von Israel besetzten Westjordanland. Die Jobs dort waren beliebt. Die Palästinenser verdienten bei »SodaStream« das Vierfache des Mindestlohns ihrer Heimat. Der Standort sorgte jedoch für Proteste.

Boykottbewegung gegen »SodaStream«

Stimmungsmacher war die Boykottbewegung BDS (»Boycott, Divestment and Sanctions«). Die umstrittene Kampagne ruft zum Boykott israelischer Künstler und Wissenschaftler sowie zum Verzicht auf israelische Produkte auf. »SodaStream« sei ein »ethisch nicht vertretbares Produkt, denn es profitiert vom Landraub, der Ausbeutung von Ressourcen und den Menschen«, heißt es auf ihrer Internetseite.

Firmensitz verlegt

Birnbaum spricht nicht gerne über das Thema. »BDS? Wer ist das?«, antwortet der CEO auf Nachfrage. »SodaStream« habe den Firmensitz nicht aufgrund der öffentlichen Kritik gewechselt, sondern um sich zu vergrößern, betont er. Die BDS nennt er »wirtschaftliche Terroristen«, »voll von Lügen«.

Mit dem Umzug haben viele ihren Job verloren

In der alten Fabrik waren deutlich mehr Palästinenser angestellt. Inzwischen sind es nur noch 120, wie Birnbaum bedauert. 500 hatten mit dem Umzug im Jahr 2015 ihren Job verloren. Palästinenser, die keine israelische Staatsbürgerschaft besitzen, brauchen eine Genehmigung, um innerhalb Israels zu arbeiten. Birnbaum habe 100 Genehmigungen beantragt, die israelischen Behörden hätten jedoch längst nicht alle erteilt. Nur einige Straßen entfernt von der »SodaStream«-Fabrik im Beduinendorf Rahat herrschen Terror und Krieg. Erst vor einigen Wochen waren von palästinensischem Gebiet rund 700 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Die israelische Armee reagierte mit Angriffen auf den Gazastreifen. Vier Israelis und 25 Palästinenser kamen dabei ums Leben.

Israelis und Palästinenser arbeiten Seite an Seite

Israelis gegen Palästinenser. Das Gegenteil passiert in den insgesamt drei Produktionshallen von »SodaStream«. Hier arbeiten rund 2000 Israelis, Palästinenser und beduinische Frauen »in Frieden und Harmonie« zusammen, wie Birnbaum immer wieder betont.

Bei Alarm fliehen Mitarbeiter in die Schutzräume

Die Sorge vor Anschlägen gehört bei den Mitarbeitern trotzdem zum Alltag. Am Tag des Raketenangriffs Anfang Mai hatte es fünf bis sechs Alarme gegeben, erinnert sich Chaim. Immer wieder mussten die Mitarbeitenden in die Schutzräume rennen. Chaim hatte als Sicherheitsbeauftragter dafür zu sorgen, dass keine Panik ausbricht. »Die Angst lag in der Luft. Trotzdem haben alle weiter gearbeitet«, erinnert sich der Mann. Eine Rakete landete in der Nähe des »SodaStream«-Areals. Die Explosion war auch hier in der Halle zu hören, berichtet Chaim.

Arbeitgeber hat guten Ruf bei Beduinen

Ein paar Fließbänder weiter schraubt Atidal gerade den Boden eines Sprudlers zusammen. Ihre Familie erlaubt es ihr, hier zu arbeiten. »SodaStream« habe einen guten Ruf im Dorf, erzählt sie. Die 26-Jährige trägt ein rotes Kopftuch, darunter hat sie ihre Haare zu einem Dutt gebunden. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet die junge Frau aus einem Beduinendorf mit ihrem Kollegen Edouard für »SodaStream«. Der 56-Jährige kommt aus Israel, ist Jude.

»Jeder respektiert jeden«

Die beiden sind ein Team. Edouard etikettiert die Sprudelgeräte, bevor sie in Atidals Hände wandern. Probleme mit den unterschiedlichen Religionen und Nationalitäten gebe es nicht, beteuert Atidal. »Jeder respektiert jeden«, sagt sie. Die junge Muslima muss fast schreien, damit ihre Stimme nicht im wilden Durcheinander von Flaschenklirren, Schrauben und Hämmern untergeht.

Familien pflegen traditionelles Rollenbild

Als beduinische Frau sei es nicht selbstverständlich, arbeiten zu gehen. Die Familien pflegten oftmals ein sehr traditionelles Rollenbild, erzählt Atidal. Die Gesellschaft sei heute aber etwas offener geworden, ergänzt die junge Kollegin. In der Firma feiern die Kollegen sowohl jüdische als auch islamische Feiertage. Auf dem Gelände gibt es vier Gebetsräume. Einer ist nur für Frauen zugänglich. Das Essen in der Kantine ist koscher und halal.
Carina Dobra


Die Pressereise nach Israel mit Flug, Hotel und sämtlichen Ver‧pflegungskosten wurde von »Soda-Stream« bezahlt.
 Internet: www.sodastream.com

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