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Zuversicht

Unterstützung im Heilungsprozess

Doris SticklerDer Autor Ulrich Schnabel untersucht, welchen Einfluss die Imagination auf den Körper hat.

FRANKFURT. Als eine »von nüchternem Blick begleitete Zukunftserwartung« bezeichnet der Physiker, Journalist und Buchautor Ulrich Schnabel die Zuversicht. Diese könne helfen, von Krankheiten zu genesen, sagte er in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Und erklärte auch, wie das funktioniert.

Das Experiment zeitigte ein überraschendes Ergebnis. Menschen mit Knieschmerzen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer der einen Gruppe wurden wie abgesprochen regulär operiert. In der anderen Gruppe hatte man die Patienten ebenfalls auf den OP-Tisch gelegt, den chirurgischen Eingriff aber simuliert. Der sichtbaren Spuren wegen bekam das Knie lediglich eine Schnittwunde verpasst. Hinterher ging es allen gleich gut.

Einfluss der Vorstellungskraft auf den Körper

Bei der Vortragsreihe »Die Herausforderungen der personalisierten Medizin in der Onkologie« illustrierte der Autor Ulrich Schnabel mit dem Beispiel, welchen Einfluss die Imagination auf den Körper hat. »Bereits die bloße Vorstellung veranlasst das Gehirn, bestimmte Botenstoffe auszuschütten.«

Placebo-Effekt hat mit Magie nichts zu tun

Aus diesem Grund könne der »Placebo-Effekt 30 bis 40 Prozent der Medikamente überflüssig machen«, rufe die selbsterfüllende Prophezeiung ähnliche Wirkung hervor. »Mit Magie hat das nichts zu tun«, betonte der Wissenschaftsredakteur der Wochenzeitung »Die Zeit« in der Evangelischen Akademie in Frankfurt.

Kraft der inneren Freiheit

Wer überzeugt sei, dass sich etwas positiv entwickelt, verhalte sich entsprechend und trage damit dazu bei, dass es tatsächlich geschieht. Diesen Rückkopplungsmechanismus beobachtet Ulrich Schnabel auch bei der Zuversicht. Diese »Kraft der inneren Freiheit« dürfe man jedoch nicht mit Optimismus verwechseln.

Sinnhaftigkeit spielt große Rolle

Während der im Extremfall in völlige Unbekümmertheit münden könne, sei Zuversicht eine »von nüchternem Blick begleitete Zukunftserwartung«. Dass Sinnhaftigkeit hierbei eine große Rolle spielt, machte der Autor eines Buches über Zuversicht an dem vor einem Jahr verstorbenen Physiker Stephen Hawking deutlich.

Stephen Hawking hat sich nicht seiner Diagnose ergeben

Er habe nie aufgegeben, obwohl er wegen einer Muskellähmung seine Bewegungs- und Sprachfähigkeit verlor und die Prognosen der Ärzte niederschmetternd waren. Durch die »Begeisterung für die Forschung, seinen wahnsinnigen Humor und die Frauen, die ihn liebten«, habe Stephen Hawking trotz aller Einschränkungen Sinn im Leben gesehen.

Wer nach Zielen strebt, ist auf dem Weg

Wie Ulrich Schnabel in seinem Vortrag klarstellte, meine er mit Sinn »nicht den einen großen Sinn, sondern viele kleine«. Zumal »jeder Mensch seinen eigenen, individuellen Sinn« finden müsse. »Wer Visionen verfolgt und nach Zielen strebt, ist bereits auf dem Weg.«

Den Widerhall der Welt spüren

Als maßgebliche Begleiter erachtet er hier »Resonanz und Generativität«. Resonanz heiße, »den Widerhall der Welt zu spüren, im Austausch mit anderen zu stehen«. »Religion oder Natur sind ganz große Resonanzgeber.« Generativität bezeichne das Weitergeben von einer zur nächsten Generation, also »etwas tun, das über das eigene Wohlergehen hinaus Bedeutung hat«.

In Krisensituationen Kräfte aktivieren

Für Ulrich Schnabel, der sich sowohl mit Astrophysik und Hirnforschung wie mit Philosophie, Theologie und Psychologie beschäftigt, ist Sinnhaftigkeit nicht zuletzt ein »wichtiger Faktor im Heilungsprozess«. Sie stärke die »Selbstwirksamkeit«, die »in Krisensituationen Kräfte aktiviert, die sonst ungenutzt bleiben«.

Für die Zuversicht muss man etwas tun

Das Dreiergespann »Sinnorientierung, Resonanz und Selbstwirksamkeit« sei zwar das Fundament der Zuversicht, die dennoch einer stetigen inneren Bemühung bedürfe. »Angst bekommen wir automatisch, für die Zuversicht müssen wir etwas tun.« Um einer »permanenten Quelle für Frust« zu entgehen hält es Ulrich Schnabel für ratsam, sich zum Beispiel »nicht mit Stars, sondern dem Bauern in Bangladesch zu vergleichen«. Zumal im Krankheitsfall die »innere Haltung wesentlich am Erfolg der Heilung beteiligt« sei. Doris Stickler


In diesem Jahr stehen bis Ende April noch vier Vortragsabende in der Evangelischen Akademie sowie Sonderveranstaltungen im Liebighaus (Mai) und im Literaturhaus (Juni) auf dem Programm. Detaillierte Informationen hat die Evangelische Akademie, Telefon 069/174152613 oder www.evangelische-akademie.de/kalender/

Buchtipp: Ulrich Schnabel: »Zuversicht. Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je«; Blessing Verlag 2018; 256 Seiten, 22 Euro.

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