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EKD-Synode

Verjüngungskur für Kirche der Grauhaarigen

epd/Norbert NeetzAcht junge Menschen istzen auf einer Bühne, vor ihnen stehen kleine Tische.Talkrunde mit jungen Menschen zum Schwerpunktthema der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) »Glaube junger Menschen«.

WÜRZBURG. Jünger, frischer, durchdringender – die evangelische Kirche muss sich ändern, wenn sie attraktiver werden will für junge Leute: Das ist Konsens auf der Synode in Würzburg. Aber wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinander liegen, wird auch klar.

Nichts tut der evangelischen Kirche in diesen Tagen mehr weh, als auf die jungen Menschen unter 30 Jahren zu schauen. Denn das ist für sie ein Blick ins Nichts. Die Lebensspanne zwischen 18 und Mitte 20 ist eine religiöse Leerstelle. Zwischen Anfang und Mitte 20 treten Menschen am häufigsten aus der Kirche aus: Diesen Befund präsentierte der Autor der Shell-Jugendstudie und Sozialwissenschaftler, Ulrich Schneekloth, vor rund 120 Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) tagte zu der Frage, wie die Kirche mehr junge Menschen ansprechen und an Entscheidungen beteiligen kann.

Junge Erwachsene online befragt

Bei einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD gaben 24 Prozent der 19– bis 27-Jährigen an, an Gott zu glauben. Das Sozialwissenschaftliche Institut hat für seine Studie unter anderem 1000 junge Erwachsene online befragt.

Das eigene Leben ist am wichtigsten

Die Studie zeigt auch, dass Glauben für junge Erwachsene nicht die erste Priorität hat. Zehn Prozent ist es wichtig, »etwas zu haben, an das man glaubt«. Gefragt danach, was das eigene Leben bestimmt, sagt die Mehrheit der jungen Menschen »ich selbst« (84 Prozent), »meine Familie« (62 Prozent) sowie Schule, Universität oder Arbeit (52 Prozent).

Glückliches Leben ohne Kirche

»Diese jungen Menschen führen ein eigenständiges, glückliches Leben – ohne uns als Kirche«, sagte Gerhard Wegner, Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD. Er sprach von einer »postchristlichen Generation«. Junge Erwachsene brechen oft den Kontakt zur Kirche ab, sagte Wegner. »Die Kirche muss gerade für diese Altersgruppe neue Angebote machen.«

Junge Menschen besser wahrnehmen

Wie schwer das wird, zeigt seine Analyse ebenfalls. Denn für viele junge Erwachsene steht die Selbstverwirklichung an erster Stelle. Dass die Kirche dennoch oft zu wenig tut, um U-30-Jährigen den Weg zurück in die Gemeinden zu ebnen, machte die Münsteraner Theologin Anna-Katharina Lienau in ihrem Impulsvortrag auf der Synode deutlich. Die Kirche müsse auch überlegen, wie sie Menschen erreichen könne, die nicht heiraten oder Kinder bekommen und dann durch die kirchliche Trauung oder Taufe wieder in Kontakt zu den Gemeinden treten. »Die Kirche hat mich sehr lange nicht wahrgenommen, bis zu dem Zeitpunkt, als ich eine Tochter bekam. Das kann ja eigentlich nicht sein«, sagte die 38-Jährige und erhielt dafür großen Applaus aus dem Plenum.

Kirche muss sich jetzt ändern

Wie die Kirche diese Leerstelle füllen möchte, diskutierten die Synodalen. Der Vorbereitungsausschuss zum Schwerpunktthema »Glaube junger Menschen« stellte zehn Thesen vor. Darunter seien auch Vorschläge, die schon vor Jahrzehnten gemacht worden seien, bemerkten gleich mehrere Synodale in einer anschließenden Aussprache. Dennoch sei jetzt der Zeitpunkt, »wo es Klick machen muss«, sagte die Vorsitzende des Vorbereitungsausschusses, Jacqueline Barraud-Volk.

Evangelium digital kommunizieren

Die Musik in den Gottesdiensten solle vielfältiger werden, so lautet eine These. Auch bei der Form der Gottesdienste soll mehr experimentiert werden, heißt es in einer anderen. Eine weitere These zielt auf Vernetzung und Präsenz im digitalen Raum. »Wir sehen es als Aufgabe der Kirche an, die Kommunikation des Evangeliums auch in digitaler Weise zu befördern.« Jetzt müsse es daran gehen, die vielen Anregungen der Synodalen auszuwerten, sagte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer. »Unsere Kirche muss sich wirklich ändern.«

Werte stehen im Vordergrund

Wie sich die jungen Menschen ihre Kirche vorstellen, wurde bereits am Abend zuvor deutlich. Die Synode hatte sieben Frauen und Männer zwischen 18 und 26 Jahren zu einem Austausch eingeladen. Glaube sei Heimat, sagte eine junge Frau. Beim Glauben gehe es um die persönliche Beziehung zu Gott, sagte ein junger Mann. Der Würzburger Bastian Mogel aber sagte einen Satz, der das Dilemma der Kirche im Jahr 2018 offenbart: »Für junge Leute geht es mehr um Werte als um die Kirche dahinter.«

Franziska Hein/epd

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