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Es gibt eine Lust am Untergang – dagegen hilft der Blick auch auf die guten Nachrichten

Wenn die Katastrophe ausfällt

picture alliance / akgDer Prophet Jona schmollt unter einem Baum. Ihn verdrießt, dass Gott weiterhin die Sonne über Ninive scheinen lässt und die Stadt nicht zerstört hat, wie er, Jona, es im Namen Gottes angekündigt hatte. Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650).

Rolf Oeser/Evangelisches Frankfurt und OffenbachRenate Ehlers ist Prädikantin in Frankfurt und Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Manchmal schaue ich gern einen alten Hollywood-Film im Fernsehen an. Ich gebe zu, es sind auch Katastrophenfilme darunter. Die gehen fast immer so: Ein junger Wissenschaftler sagt ein furchtbares Erdbeben, einen Vulkanausbruch oder einen Meteoriteneinschlag voraus. Aber niemand glaubt ihm. Und dann kommt natürlich die prophezeite Katastrophe. Der Wissenschaftler rettet todesmutig ein paar Menschen, gern sind Kinder und ein netter Hund unter den Überlebenden. Der Rest ist Zerstörung und Elend.

Die spektakulären Untergangsbilder im Film erzeugen bei mir im bequemen Sessel einen angenehmen Grusel. Ich glaube aber, der eigentliche Reiz einer solchen Geschichte liegt im Rechtbehalten. Man identifiziert sich mit dem klugen Warner, der es gegen die dumme Mehrheit schon früh besser gewusst hat. Würde das Unglück ausbleiben, wäre das unbefriedigend. Die negative Botschaft soll bitte auch wahr werden.

Das hat auch der Prophet Jona in der Bibel so erlebt. Er hatte der Stadt Ninive im Auftrag Gottes den Untergang prophezeit, falls die Einwohner ihr Leben nicht zum Besseren ändern. Wider Erwarten hören die Leute in Ninive tatsächlich auf die Warnung und bessern sich. Gott beschließt, die Stadt zu verschonen. Happy End? Nein. Jona ist verärgert und frustriert, dass Gott seine Ankündigung nicht wahr macht. Der Prophet braucht eine Weile, bis er die Güte und Barmherzigkeit Gottes darin erkennen kann. Beim ihm schimmert die menschliche Lust an der negativen Botschaft und am Rechtbehalten durch.

Wir lesen und hören ständig schlechte Nachrichten in den Medien. Darunter sind auch einige, die prophetisch Katastrophen in der Zukunft ankündigen – etwa der Klimawandel oder das Insektensterben. Viele wollen das nicht mehr hören. Die ständigen Warnungen nerven. Andere wünschen sich womöglich insgeheim, dass etwas von der angesagten Katastrophe schon jetzt spürbar wird, damit endlich alle aufwachen. Aber dies ist kein Hollywood-Film. Für eine Lust am Rechtbehalten sind die Probleme zu real und zu ernst.

Die Leute in Ninive haben sich beeindrucken lassen und ihr Verhalten grundlegend geändert. Sie sind »umgekehrt«, heißt es in der Bibel. Aber Gott allein hat das große Unglück abgewendet. Und sein Prophet Jona hat gelernt zu akzeptieren: Der Untergang fällt aus – das ist die gute Nachricht schlechthin.

Guten Nachrichten in den Medien zu glauben, das fällt manchmal schwer. Es ist ratsam, auch die guten Nachrichten kritisch zu prüfen. Ich freue mich, dass in letzter Zeit einige seriöse Zeitungen begonnen haben, die – erstaunlich vielen – guten Nachrichten über den Zustand der Welt zu veröffentlichen. Zum Beispiel, dass die Kindersterblichkeit weltweit deutlich zurückgegangen ist, dass die Zahl der Schuljahre von Mädchen gestiegen ist, dass die Verbrechensrate in Deutschland gesunken ist.

Es lohnt sich, auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni in Dortmund einen besonderen Ort aufsuchen: den Pavillon der guten Nachrichten. Gegen Pessimismus und Verzweiflung. Gegen die Lust an der Katastrophe. Und für einen klaren Blick darauf, was dennoch gesagt und geändert werden muss.

Von Renate Ehlers

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