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Abgeriegelte Grenzen

Wo die Mauern noch stehen

CC0 Wikimedia Commons/Gordon HydeBeim Versuch, die Grenze zwischen Mexiko und den USA zu überqueren, sterben nach Angaben des US-Grenzschutzes jährlich zwischen 250 und 500 Menschen.

Die innerdeutsche Grenze ist seit 30 Jahren verschwunden. Andere Weltgegenden sind nicht so glücklich. Hier trennen noch Mauern und Stacheldraht die Menschen. Auch an diesen Grenzen sterben Menschen, oft unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, und mitunter in deutlich höherer Zahl als an der Linie, die einst die beiden deutschen Staaten voneinander trennte.

Nahezu die gesamte Länge der 3200 Kilometer langen Grenze zwischen Indien und Bangladesch ist durch Stacheldraht und Beton abgeriegelt. Diese Linie hatten die britischen Kolonialherren 1947, als sie ihre Kolonie Indien in die Unabhängigkeit entließen, recht willkürlich gezogen. Auf beiden Seiten der Grenze leben Angehörige des Volks der Bengali. Viele von ihnen auf der Seite Bangladeschs, das lange Zeit eines der ärmsten Länder der Welt war, verließen ihre Heimat und zogen nach Indien. In den 1980er Jahren entschloss sich die indische Regierung, einen Grenzwall zu bauen, um die Migration zu unterbinden.
Indien ist übrigens das Land mit den längsten befestigten Grenzen der Welt. Auch die Grenze zum Erzfeind Pakistan ist streng kontrolliert.

Israel/Palästina

Zwischen Israel und den Palästinensergebieten im Westjordanland erstreckt sich ein – wie er in Israel genannt wird – »Terrorabwehrzaun«. Auch der Gazastreifen ist durch eine Sperranlage abgeriegelt. Die Grenzwälle sollen palästinensische Selbstmordattentäter abhalten.
Der Zaun zog viel Kritik auf sich, weil er nicht genau den Grenzen des Teilungsplans zwischen Israel und Palästina folgt, sondern um jüdische Siedlungen im Westjordanland herum verläuft und so palästinensisches Gebiet abtrennt. Die Kritiker beschuldigen Israel, es wolle Fakten schaffen und palästinensisches Territorium annektieren. Für Palästinenser, die auf der israelischen Seite arbeite, stellt der Grenzübertritt eine zeitraubende Prozedur dar, ebenso für palästinensische Bauern, deren Felder auf der anderen Seite liegen.

USA/Mexiko

Auch wenn US-Präsident Donald Trump tönt, er wolle eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen: Ein Großteil eben jener Grenze ist schon seit langer Zeit befestigt, etwa zwischen San Diego in Kalifornien und Tijuana.
Jährlich sterben nach Angaben des US-Grenzschutzes zwischen 250 und 500 Menschen beim Versuch, die Grenze zu überqueren – sie versuchen, Checkpoints zu umgehen und verdursten anschließend in der Wüste, sie ertrinken im Grenzfluss Rio Grande oder werden erschossen.
In Arizona und Mexiko lebt auf beiden Seiten der Grenze das Indianervolk der Tohono O’odham. Würde Trump sein Versprechen wahr machen und die gesamte Grenze abriegeln, wären die Tohono O’odham – wie einst das deutsche Volk – durch eine Mauer geteilt.

Türkei/Syrien

Im April 2017 stellte die Türkei eine 556 Kilometer lange Sperranlage an der 911 Kilometer langen Grenze zu Syrien fertig. Die Befestigung war Teil des Flüchtlingsabkommens mit der Europäischen Union mit dem Ziel, Fliehende aus Syrien gar nicht erst aus dem Land kommen zu lassen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch dokumentierte seither mehrere Fälle, in denen türkische Grenzhüter auf syrische Flüchtlinge geschossen hatten. Dabei gab es auch Tote.
Für die Türkei hat die Grenzmauer noch eine weitere Funktion: Sie soll Terroristen davon abhalten, ins Land einzusickern – wobei die türkische Definition von »Terrorist« ziemlich breit ist. Sie meint sowohl Kämpfer des »Islamischen Staats« als auch der kurdischen Milizen, gegen die sie seit kurzem militärisch vorgeht.

Nord- und Südkorea

Anders als die ehemalige innerdeutsche Grenze ist die Grenze zwischen Nord- und Südkorea nur in einigen Teilabschnitten befestigt. Dafür existiert auf beiden Seiten eine demilitarisierte Zone, die beidseits streng bewacht wird. (Bild) Betreten ist verboten – und wegen der vielen Landminen auch nicht ratsam. In diesem menschenleeren Raum hat sich eine ungestörte Naturlandschaft entwickelt. Zwei der größten Armeen der Welt – die nord- und die südkoreanische – sind hier konzentriert, hinzu kommen auf der Südseite noch Truppen der USA.
Nordkorea hat nicht nur seine Süd-, sondern auch seine Nordgrenze zu Russland und China hermetisch abgeriegelt. Die Nordkoreaner sind in ihrem Land eingesperrt.

Ungarn/Serbien

Während des hohen Anstiegs der Flüchtlingszahlen im Sommer 2015 beschloss die ungarische Regierung, ihre Südgrenze abzuriegeln. Das war in der EU nicht beispiellos: Auch Grenzen Griechenlands und Bulgariens zur Türkei sowie die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika sind durch Zäune gesichert. Neu war allerdings, dass Ungarn nicht nur die Grenze zu Serbien, sondern auch zu Kroatien dichtmachte – und somit eine Grenze zwischen zwei EU-Staaten.
Hartnäckig hält sich die Legende wonach erst die Sperrung der »Balkan-Route« durch die ungarische Regierung den Zuzug von Flüchtlingen unterbunden habe. Das ist falsch. Die Flüchtlingszahlen begannen nach dem Allzeithoch im Sommer 2015 bereits zu sinken, weit ehe der Zaun gebaut war.

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